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Frage

Lieber Pater Angelo,

ich, 27, möchte Ihnen eine Frage zum Fegefeuer stellen: vor einiger Zeit habe ich irgendwo gelesen, dass “wenn wir sterben und vor Gottes Gericht stehen, wir für unsere bekannten Sünden nicht zur Rechenschaft gezogen werden”.

Anderswo habe ich aber später gelesen, dass,  um in den Himmel zu kommen, die in der Beichte abgelegten und somit vergebenen Sünden, zusätzlich noch im Fegefeuer durch mehr oder länger andauerndes Leiden gereinigt werden müssen.

Da ich leider schwerwiegende  Sünden begangen habe, frage ich mich daher, ob ich schon in diesem Leben etwas tun kann, um meine Sünden zu sühnen und so die Zeit, die ich im Fegefeuer verbringen muss, verkürzen kann.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Antwort und bitte Sie, ein Gebet für mich zu sprechen.


Antwort des Priesters

Liebe Besucherin, 

1. das Fegefeuer ist keine Strafe dafür, dass jemand im Leben zu große Sünden begangen hat.

Wahrscheinlich sind manche, trotz ihrer vielen Sünden, so große Heilige geworden, dass sie direkt in den Himmel gekommen sind. Man denke nur an Magdalena und den Heiligen Augustinus.

2. Das Fegefeuer ist darauf zurückzuführen, dass nichts Unreines in den Himmel hineinkommen kann (Ap 21,27).

Nun ist es so, dass auch nach unserem Sündenbekenntnis die schlechten Neigungen,  die uns dazu führten, die beschuldigten Sünden zu begehen,

noch verbleiben.

3. Wie Johannes Paul II. erinnert “verbleibt im Christen auch nach der Lossprechung eine Zone des Schattens, als Folge der durch die Sünde verursachten Wunden, der unvollkommenen Liebesreue und der Schwächung der geistlichen Fähigkeiten, in denen noch immer ein ansteckender Krankheitsherd der Sünde wirksam bleibt, den es durch stete Abtötung und Buße zu bekämpfen gilt. Darin liegt der Sinn der bescheidenen, aber aufrichtigen Genugtuung” (Reconciliatio et Paenitentia 31,III).

4. Mit den von der Nächstenliebe des Beichtvaters auferlegte Buße sollte diesem ansteckenden Herd Abhilfe verschafft werden.

Aber in Wirklichkeit bringen diese Bußwerke nur wenig Früchte, weil sie zu allgemein sind oder nur oberflächlich ausgeführt werden.

5. Es gibt jedoch noch viele andere Gelegenheiten, uns von hier aus zu reinigen.

Paul VI. erwähnt in der Apostolischen Konstitution “Poenitemini” einige davon.

Die erste und wichtigste ist, an dem Leiden Christi teilzuhaben, indem man die Prüfungen des Lebens geduldig erträgt.

Darin heißt es ausdrücklich: „Und wiederum sind die Glieder der Kirche, die von Schwachheit, Krankheit, Armut, Unglück betroffen oder um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, eingeladen, ihr Leid mit dem Leiden Jesu Christi zu vereinen, um die Vorschrift der Buße intensiver erfüllen zu können; auch um für die Brüder das Leben der Gnade und für sich selbst die Seligkeit zu erlangen, die im Evangelium den Leidenden verheißen ist“ (Nr. 34).

6. Paul VI. listet noch andere Gelegenheiten zur Buße und Reinigung auf.

Es spricht von beharrlicher Treue zu den Pflichten des eigenen Zustands, von der Annahme der Schwierigkeiten, die sich aus der Arbeit und dem menschlichen Zusammenleben ergeben, von geduldigem Aushalten der Prüfungen des irdischen Lebens, von der tiefen Unsicherheit, die es durchdringt.

Auch die Unsicherheit ist eine günstige Gelegenheit, uns beständig in die Hände des Herrn zu begeben.

7. Anschließend spricht er über Nächstenliebe und seine Werke.

Denn die Liebe deckt viele Sünden zu (1 Pt 4,8). 

8. Man führt seine eigene Reinigung durch, indem man von Tag zu Tag die Bekehrung mehr und mehr intensiviert.

Unter den verschiedenen Mitteln ist aber vor allem das „treue und liebevolle Hören auf das Wort Gottes” besonders nennenswert  (Reconciliatio et Paenitentia 8).

Jesus hat gesagt:” Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe” (Gv 15,3).

Auch das Gebet sollte beachtet werden, insbesondere das Vaterunser mit seiner Anrufung: “Vergib uns unsere Schulden …”, die Teilnahme an der Liturgie, die Bußpsalmen.

9. Auch die Ablasswerke wirken entscheidend bei der Sühne der Zeitstrafe mit.

Sie sind eine große Schatzkammer.

Die heilige Teresa von Avila bevorzugte unter den verschiedenen Praktiken, die sie praktizierte, gerade die Ablasswerke.

10. Daher können wir das Fegefeuer bereits hier in vielerlei Hinsicht machen.

Und nicht nur das. Es muss auch gesagt werden, dass alles was wir auf Erden tun, viel wertvoller ist, denn es ist nicht nur reinigend, sondern auch verdienstvoll.

Während das Jenseits nur reinigend oder sühnend ist.

In der Hoffnung, dass du am Ende deines Lebens direkt für den Himmel bereit sein wirst, versichere ich dir mein Gebet und segne dich.

Pater Angelo