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Lieber Padre Angelo,

ich möchte Ihnen eine Frage über den Katechismus der katholischen Kirche stellen.   

In Absatz 108 ist zu lesen:

“ Der christliche Glaube ist jedoch nicht eine ,,Buchreligion“. Das Christentum ist die Religion des “Wortes”  Gottes, nicht eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des menschgewordenen, lebendigen Wortes”. Damit die Worte der Heiligen Schrift nicht leere Worte bleiben, ist es notwendig, dass Christus, ewiges Wort des lebendigen Gottes, uns durch den Heiligen Geist ihre Bedeutung offenbart, sodass wir die Heilige Schrift begreifen.

Könnten Sie mir erklären, warum das Christentum keine Buchreligion ist und was es  bedeutet, eine zu sein? 

Was unterscheidet uns von den Juden und den Muslimen? 

Ich erinnere mich an Sie in jedem Gebet.


Mein Lieber 

1. Mit Buchreligionen sind im allgemeinen die drei monotheistischen Religionen gemeint, die alle über ein Buch verfügen, das den Menschen den Willen Gottes offenbart. 

Die Muslimen haben den Koran als Buch, die Juden den Talmud, der so ziemlich unserem Alten Testament entspricht und die Christen haben die Bibel.

Obwohl all diese Religionen ein Buch haben, das sie von Gott inspiriert halten, differenziert sich das Christentum dennoch von diesen, weil hier nicht das  Buch, das das Leben der Menschen regelt, im Mittelpunkt steht, sondern ein Mensch, der in der Geschichte lebendige Christus, der von den Toten auferstanden ist. 

2. Deshalb kann man im Katechismus der Katholischen Kirche nachlesen:  „Der christliche Glaube ist jedoch nicht eine “Buchreligion”. Das Christentum ist die Religion des “Wortes” Gottes, nicht eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des menschgewordenen,  lebendigen Wortes“. (Bernhard, hom. miss. 4,11) 

3. Das ist so wahr, dass wenn die Christen sich zum Gebet versammeln, sie 

nicht nur zuhören was Gott durch den Mund des Propheten (Mohammed) oder den Propheten gesagt hat, sondern sie versammeln sich um Christus herum, begegnen ihm, der die Auferstehung und das Leben ist, hören auf Gottes Wort, das nicht irgendein Wort ist, wenn auch inspiriert, sondern das Wort des ewigen Lebens. Das bedeutet, er vermittelt jedem der zuhört  das ewige Leben, das Gott selbst ist.

Hier kann man auch die, an Christus gerichtete, Worte des Heiligen Petrus ins Gedächtnis rufen: “Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens” (Joh 6,68).

4. Und nicht nur das, denn im christlichen Glauben ist Jesus nicht nur im Kult der Kirche anwesend, sondern auch in jedem Ereignis des Lebens. Daher gibt es kein anderes Ziel als das, woran uns der Heilige Paulus erinnert: “… bis dass, Christus in euch eine Gestalt gewinne” (Galater 4,19).

Die Reife im christlichen Leben kann nur erreicht werden, wenn man sagen kann: “Ich bin mit Christus gekreuzigt worden. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes.” (Galater 2,20).

5. Das Ziel der Muslimen ist nicht, sich in Mohammed zu verwandeln oder von ihm das Leben zu empfangen. 

Wenn sie sich zum Gebet versammeln, versammeln sie sich nicht um ihn herum. Sie denken gar nicht daran, sie sind voll und ganz überzeugt, so groß er auch sein mag, es immerhin mit einem Verstorbenen zu tun zu haben. 

6. Christus hingegen ist nicht verstorben. 

Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6).

Er ist Derjenige, der unaufhörlich sagt: “Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes ” (Offenbarung 1,17-18).

Er begegnet di ganze Zeit hindurch allen Menschen und er ist in jedem Augenblick des Lebens an ihrer Seite, „damit sie das Leben haben und volle Genüge“ (Joh, 10,10), obwohl sie ihn nicht erkennen. 

Es ist das Leben der Gnade, Gottes Kraft in uns. 

7. Aus diesem Grund ist das Christentum nicht einfach eine Buchreligion, auch wenn es ein Buch (die Bibel) hat. Im Mittelpunkt des Christentums steht nicht ein Buch, sondern Christus.  

Ich wünsche dir ein volles Leben in Christus, danke dir für das Gebet und versichere dir meines. Ich segne dich. 

Padre Angelo