Frage

Lieber Pater Angelo,
ich bin eine Frau von 54 Jahren.
Ich weiß, dass ich zur heiligen Messe gehen sollte, doch gehe ich nur selten hin, und ich bedaure es, weil ich weiß, dass es nicht richtig ist.
Ich weiß, dass Gott auch in mir ist, so wie in allen Menschen.
Das Wochenende ist so kurz, und ich kann nicht immer hingehen, weil ich nicht immer zu Hause bin. Von den normalen Werktagen ganz zu schweigen, an denen die Zeit so schnell vergeht.
Ich erhalte jeden Tag religiöse Artikel per E-Mail. Ich habe sie abonniert, um sie zu lesen. Aber sie ersetzen nicht die Tatsache, dass ich so selten in die Kirche gehe. Das macht mich nicht glücklich – ebenso wie andere Dinge in meinem Leben.
Seit einiger Zeit habe ich ein wunderbares kleines Hündchen. Dennoch gibt es Dinge, die mich traurig machen.
Vielen Dank und herzliche Grüße.


Antwort des Priesters

Liebe Besucherin

  1. Gott muss an die erste Stelle gesetzt werden, denn alles ist uns im Hinblick auf ihn gegeben worden.
    Alle Dinge sind uns von Gott gegeben worden, damit wir uns immer mehr mit ihm vereinen.
    Deine erste große Notwendigkeit besteht darin, dein Leben neu zu ordnen, um Gott in den Mittelpunkt zu stellen.
    Die heilige Messe, zumindest die sonntägliche, muss der unverzichtbare Bezugspunkt deines Lebens sein.
    Andernfalls verzettelt sich unser Leben in unzähligen Sorgen, ohne dass wir seinen letzten Sinn erkennen.
    Die verschiedenen religiösen Texte, die du aboniert hast und liest, sind ein klarer Beweis dafür, dass dein größtes Bedürfnis die Gegenwart Gottes in deiner Seele ist.
  2. Was die Gegenwart Gottes betrifft, ist es wahr, was du sagst: Gott ist in allen gegenwärtig.
    Doch diese Gegenwart allein genügt nicht, um in den Himmel zu gelangen.
    Diese Gegenwart ist auch in den Dämonen und in den Verdammten vorhanden, denn auch sie empfangen ihre Existenz von Gott und bestehen durch seinen Willen weiter.
  3. Die Gegenwart, die uns in den Himmel führt, ist jene der Gnade – das Leben in Gemeinschaft mit Gott und in seiner Freundschaft.
    Es ist eine neue und persönliche Gegenwart, die Jesus denen verheißen hat, die seine Gebote halten.
  4. Von dieser Gegenwart spricht Jesus im Johannesevangelium 14,21: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren“.
    Und weiter ( Joh 14,23): „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“.
  5. Die erste Gegenwart, die in allen Menschen vorhanden ist, wird „Gegenwart der Unermesslichkeit“ genannt.
    Diese Gegenwart bleibt bestehen, solange die Existenz selbst besteht.
    Deshalb habe ich gesagt, dass sie auch die Dämonen und Verdammten haben.
  6. Die zweite Gegenwart nennt man „Gegenwart der Einwohnung“. Sie ist nur in jenen, die in der Gnade Gottes leben.
    Diese Gegenwart geht durch eine schwere Sünde verloren.
    Dass sie verloren gehen kann, ergibt sich aus den Worten des Herrn, der gesagt hat: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen“ (Joh 14,23).
    Wenn man jedoch aufhört, ihn zu lieben – und das geschieht, wenn man sein Wort nicht mehr hält und seine Gebote übertritt –, dann ist diese Gegenwart nicht mehr gewährleistet. Im Gegenteil, sie geht verloren.
    Am Sonntag nicht zur heiligen Messe zu gehen, sofern kein wirklicher Hinderungsgrund vorliegt, stellt eine schwere Sünde dar und hat als unmittelbare Folge den Verlust der persönlichen Gegenwart Gottes in der Seele.
  7. Der Stand der Gnade verleiht unserer Seele ein Gefühl der Fülle.
    Deshalb sagt der heilige Thomas von Aquin, dass nur Gott sättigt und alles, was weniger als Gott ist, nicht sättigt.
  8. Die Gnade Gottes kann, wenn sie verloren gegangen ist, durch die sakramentale Beichte wiedererlangt werden.
    Und genau das brauchst du jetzt in besonderer Weise, um den Eifer wiederzufinden, dein christliches Leben neu zu ordnen und jene Fülle zu erfahren, die mit der Gnade verbunden und für unseren Geist unersetzlich ist.

Mit meinen besten Segenswünschen segne ich dich und schließe dich in mein Gebet ein.
Pater Angelo

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