Questo articolo è disponibile anche in: Italienisch Englisch Deutsch

Frage

Guten Abend lieber Padre Angelo,

zunächst mӧchte ich Ihnen aus tiefstem Herzen meinen Dank ausdrücken für den großartigen “Dienst”, den Sie all den Menschen  leisten, die sich mit Glaubensfragen herumschlagen.   

Aber kommen wir zur Sache: In welchem Verhältnis sollten im Allgemeinen Christen zu der Welt stehen, insbesondere was die Staaten und verschiedenen Konföderationen betrifft?

Diesbezüglich habe ich immer gehӧrt, dass die Welt ein negativer Ort ist, die vom Teufel beherrscht wird (Lk. 4,5-6), und dass die Kinder Gottes nicht Teil davon sind; selbst wenn sie in die Welt geschickt worden sind, um Licht und Hoffnung für die Menschheit zu sein  (die Rede Jesu über das Salz der Erde usw.).

Mir ist jedoch nicht ganz klar, welches Verhältnis Christen zu der Welt haben sollten: ist es zum Beispiel richtig, an den Wahlen teilzunehmen, die Gesetze und Handlungen der Staaten der Welt nicht passiv hinzunehmen, sondern sich aktiv daran zu beteiligen?

Bedeutet dies nicht, Teil der Welt zu sein, anstatt nur einfach in der Welt zu sein?   Und außerdem, ist es richtig, direkt für einen Staat zu arbeiten (als Staatsangestellter, Soldat usw.), oder wird man damit Gott gegenüber Teil der Welt?

Ich habe oft gehört, dass es richtig ist, sich wie oben beschrieben zu verhalten, da ein guter Christ sich immer um die Gemeinschaft kümmern sollte, in der er lebt. Gleichzeitig frage ich mich aber auch, ob es wirklich gut ist, sich aktiv an Staaten zu beteiligen, die eigentlich nicht vollkommen zu Diensten ihrer Mitmenschen stehen, wie es sich für einen Christen gehört (soviel ich weiß, werden nämlich unter Staaten Verträge abgeschlossen, in denen versprochen wird, sich gegenseitig zu unterstützen, wodurch die Bürger anderer Staaten als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden).

Entschuldigen Sie den etwas lang geratenen Beitrag, aber ich wollte so gut wie möglich die Verwirrung, die in meinem Kopf herrscht, ausdrücken. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Sie können mir auch gerne widersprechen, wenn ich irgendwo falsch liege.   

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Giovanni


Antwort des Priesters

Lieber Giovanni,

1. es besteht ein Missverständnis bei der Interpretation von Welt, das dich irre führt.  

Mit dem Wort Welt ist die Gesamtheit der Menschen gemeint, die auf Erden leben.  

Nun, mit anderen zu leben und zu versuchen, die Welt besser zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben, ist ein ganz großer Akt der Liebe.

2. Die ganze Soziallehre der Kirche hat zum Zweck, die Welt menschlicher und das Zusammenleben der Menschen friedlicher und geordneter zu gestalten. 

Jesus  hat gesagt: “Ihr seid das Licht der Welt und das Salz der Erde” (Mt 5,14).

Er hat uns nicht gesagt, die Welt sich selbst zu überlassen, sondern sie durch das Licht des Evangeliums zu erleuchten, das den Menschen den letzten Sinn ihres irdischen Daseins offenbart und gleichzeitig die hohe Würde eines jeden Einzelnen aufweist, die Mittelpunkt und Ziel von allem ist:  von der Schule, der Wirtschaft, der Arbeit, der sozialen Institutionen.…

3. In einem der wichtigsten Dokumente des  Zweiten Vatikanischen Konzils, dem Gaudium et spes, wird behauptet: “So geht denn diese Kirche, zugleich den Weg mit der ganzen Menschheit gemeinsam und erfährt das gleiche irdische Geschick mit der Welt und ist gewissermaßen der Sauerteig und die Seele der in Christus zu erneuernden und in die Familie Gottes umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft  (GS 40).

Außerdem: “Die ihr eigene Sendung, die Christus der Kirche übertragen hat, bezieht sich zwar nicht auf den politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereich: das Ziel, das Christus ihr gesetzt hat, gehört ja der religiösen Ordnung an. Doch fließen aus eben dieser religiösen Sendung Auftrag, Licht und Kraft, um der menschlichen Gemeinschaft zu Aufbau und Festigung nach göttlichem Gesetz behilflich zu sein.” (GS 42).

Zuvor hatte Johannes XXIII. in seiner  Mater et Magistra Giovanni XXIII gesagt: “Die heilige Kirche hat so zwar vor allem die Aufgabe, die Seelen zu heiligen und ihnen die Teilnahme an den himmlischen Gütern zu schenken. Sie bemüht sich aber auch um die Bedürfnisse des menschlichen Alltags. Dabei geht es ihr nicht nur um das Lebensnotwendige. Sie kümmert sich auch um der Menschen Wohlstand und Wohlergehen in den verschiedensten Kulturbereichen, sowie es jeweils die Zeit erfordert”. (MM 4).

4. Damit verwirklicht die heilige Kirche den Auftrag Christi, ihres Gründers. Dieser meint vor allem das ewige Heil des Menschen, wenn er einmal sagt: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Joh 14, 6), und bei anderer Gelegenheit: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh 8, 12). Wenn er aber beim Anblick der hungernden Menge bewegt ausruft: “Mich erbarmt des Volkes” (Mk 8, 2), zeigt er, wie sehr ihm auch die irdischen Bedürfnisse der Völker am Herzen liegen. Diese Sorge beweisen im Leben unseres göttlichen Erlösers nicht nur seine Worte, sondern auch seine Taten. So hat er, den Hunger der Menge zu stillen, mehrfach wunderbar das Brot vermehrt.” (MM 5).

5. Es ist also Pflicht der Christen, sich in der Welt für alle Menschen einzusetzen, besonders für die Bedürftigsten.  Der fehlende Einsatz ist ein Mangel an Bürgerpflicht, und für einen Christen wird er zu einem Mangel an Nächstenliebe, für den er vor Gott Rechenschaft ablegen muss.

6. In der Heiligen Schrift und genauer gesagt, im Neuen Testament, bezeichnet das Wort Welt einmal das Universum, das andere Mal die Erde, die Menschheit, oder die Gesamtheit der Menschen, die Gott ablehnen und Christus und seine Jünger hasserfüllt verfolgen. 

Während die ersten drei Bedeutungen positiv sind, ist die vierte dagegen negativ und zeigt an, was Gott feindlich gesinnt und Satan unterworfen ist. In einem Wort könnte man sagen, dass es die Welt der Sünde ist.  

7.  Dies ist zum Beispiel die Bedeutung der folgenden Worten des Herrn: “Euch kann die Welt nicht hassen, mich aber hasst sie, weil ich bezeuge, dass ihre Taten böse sind.”  (Joh.  7,7). 

Und  “Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.  Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt”  (Joh.  15,18-19).

Noch dazu: “Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.  Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.” (Joh. 17,14-16).

8. Besonders im Evangelium und Briefen des Hl. Johannes’, erscheint diese negative Bedeutung.  

In seinem ersten Brief sagt er:  “Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, in dem ist die Liebe des Vaters nicht.  Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.”  (1 Joh.  2,15-16).

Es ist diese Welt, die Welt der Sünde, von der wir uns also fernhalten sollen.  Nicht vom Kosmos oder der Menschengesellschaft.   

Mit dem Wunsch, dass du immer in der Welt Gottes bleibst und die himmlischen Ermahnungen befolgst, schließe ich dich gern in mein Gebet ein und segne dich.  

Padre Angelo